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Geschrieben von: Peter Otto   
Mittwoch, 30. Juli 2008 um 19:07

Wird es bald ganz viele Pseudo-Obamas geben?

30. Juli 2008

Da sind manche neidisch geworden. Ein amerikanischer Senator, der vielleicht der nächste Präsident der USA werden wird, kommt für eine halbe Stunde an die Siegessäule und über 200.000 Menschen machen sich die Mühe hinzugehen und einer englischen Rede zuzuhören. Woran liegt das nur und was können wir uns davon „abschneiden“ fragen sich manche unserer Politiker – und kommen zu zumeist bedrohlichen Erkenntnissen:

 

„Charisma und Führung“ seien es, sagt Edmund Stoiber – Wir sehen, wie in den Führungsetagen der Parteien nach potenziell charismatischen Führungspersonen gesucht wird – Führen wohin? Wozu? Warum? - Wieso solche Fragen?? Die Rhetorik Obamas sei es, sprach ein anderer in ein Mikrofon, die stete Wiederholung von Kernsätzen wie „People of the world, look at Berlin!“ - und das stete „Yes we can“ - das sei es gewesen. Ein leibhaftiger Generalsekretär einer grossen Volkspartei war im Fernsehen bei dem Versuch zu bewundern, einen Parteitag zum kollektiven „Yes we can“ - Skandieren zu animieren – es war kläglich - gottseidank! Wir fürchten uns vor weiteren derartigen Versuchen der Gehirnwäsche und vor künftigen rhetorisch geschliffenen Reden angehender oder nominierter Kanzlerkandidaten und -innen. Andere machen sich über die Besucher lustig, nicht so bissig wie McCain („kriecherische Deutsche“) aber sie machen's nicht besser: Im Tagesspiegel diagnostiziert der Karikaturist Klaus Stuttmann einen Errettungswunsch der Besucher: „Obama Dich Unser“ - in einer anderen Variante derselben Karikatur ist noch ein krückenschwenkender Herr mit Lourdes-Syndrom zu sehen: „Ich kann wieder gehen“. In der TAZ sieht der Kommentator eine „Eventkultur“ am Werke, die sich nach einem „flüchtigen, großen Wir-Gefühl“ sehnt.

 

Spannender waren Äußerungen von Teilnehmern in Reporter-Mikrofone: „Was wir bisher von ihm gelesen haben, hat uns gefallen, wir wollen jetzt sehen, ob das wirklich zu ihm passt“ - „Er ermutigt uns, sich wieder mit Politik zu befassen und uns einzumischen“. Solche Sätze machen Hoffnung – uns. Vielleicht sollten Politiker die Menschen erst fragen, warum sie da hingehen, bevor sie spekulieren. Aber das wäre ja langweilig und würde nicht so nette Einblicke in manche Denkstrukturen geben.

 

Etwas gemerkt hat die Kanzlerin: Was sie an Obama beeindruckt habe und wovon man lernen könne, sei neben dem visionären Anspruch die „Grassroot“ - Verankerung, das sei zwar beides nicht direkt übertragbar, aber spannend. Wir nehmen sie als Rederin ehrenhalber auf. Schon, weil sie etwas Neues nicht gut oder schlecht, sondern einfach nur spannend finden kann.

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