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NEU: Zukunft der Parteien: Ohne Kommunikation nix los PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Peter Otto   
Mittwoch, 30. Juli 2008 um 21:50

 

 Die Rederei verfolgt mit Interesse die Bemühungen vor allem der SPD, Mitglieder und Bürger- wieder ? - in den politischen Willensbildungsprozess einzubeziehen.
 
Hier einige Kommentare zu  den letzten Wochen:
 
 
Uns hat die offene Diskussion auf dem Parteitag und den Bezirkskonferenzen (auch die Tatsache, dass letztere stattgefunden haben) gefallen, die Aussagen von Sigmar Gabriel, das sowohl eine stärkere Beteiligung der "Basis" als auch Führung notwendig seien, ist unbestreitbar.Seine  Aussage, dass sowohl die Bürger als auch die Parteimitglieder Beteiligung wünschen und dazu bereit und in der Lage sind, demonstriert eine Grundhaltung, auf der die notwendigen Veränderungsprozesse gedeihen können.
 
Wir sehen aber auch, dass es sehr schwierig ist, eine Kultur der offenen Diskussion zu leben: Wir spürten nicht genug Bereitschaft zuzuhören, was auch heisst, sich in andere Standpunkte hineinzuversetzen. Wir spürten viele Versuche bei Rednern, sich hinter Floskeln zu verstecken, mit rethorischen Tricks Sympathien zu gewinnen, so wie sie das ja auch seit vielen Jahren gewohnt waren und anscheinend weiter sind. Auf dem Parteitag sitzt man wie im Kino oder im Theater, das "Leben" spielt sich offensichtlich auf der Bühne ab, im "Saal" sitzen Zuschauer.
 
Wir sehen die Gefahr, dass die Veränderungen, um die sich "die" SPD bemüht, in den alten Gewohnheiten, in der alten Kultur steckenbleiben. Das wäre für politische und Wirtschaftsorganisationen beileibe keine Ausnahme. 
 
Die SPD ist dabei, wichtige und richtige Schritte zu gehen, aber aus unserer Erfahrung mit hohem Risiko, dass die Energie verpufft und und am Ende vielleicht nicht alles, aber zu viel beim Alten bleibt. 

 

 

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Wie sehen wir die Situation der großen Parteien?

 

Wir sehen die Entwicklungen der letzten Jahre als dramatisch:

  • Ganz zuerst der Rückgang der Wahlbeteiligung
  • Rückgang der Mitgliederzahlen der großen Parteien
  • Der Rückgang der Wahlergebnisse der grossen und die entsprechende Zunahme der kleineren Parteien
  • Der Erfolg "Unabhängiger Wähler" wie in Bayern
  • Erfolg der Piratenpartei, insbesondere bei (männlichen) Erstwählern
Die Liste der Indizien des stattgefundenen und stattfindenen politischen Wandels in der Republik ließe sich fortsetzen.


Noch einmal anders zusammengefasst:

Insbesondere die großen Parteien verlieren zunehmend den Kontakt zu den Menschen: zu den Menschen im Lande, aber auch der Kontakt zwischen den Parteiführungen und den Mitgliedern leidet.

In beiden Fällen kann und muss man tun, was wir mit Kommunikation und Dialog beschreiben. Dieses nicht als einmalige Aktivität sondern als dauerhafter Prozess, nicht (nur) als Mitteilen von Entscheidungen und ihren Gründen sondern als Prozess der Austauschs und gegenseitigen Lernens.


Menschen wollen beteiligt werden

Die Menschen suchen zunehmend Beteiligung, wenigstens Berücksichtigung und weniger die vermeintlich starken Führungspersönlichkeiten, denen man folgen kann. Es geht in Zukunft weniger um das Vermitteln von "Wahrheiten" als um das Einbeziehen Vieler, das Herstellen und Aufrechterhalten eines kontinuierlichen Dialogs.

Führung heisst zunehmend Zuhören und Lernen, Lernen auf beiden Seiten, auf der Seite der Politik und der Seite der Bürger.

Kann man das anders machen als bisher? Ja, man kann. Kann man mit so vielen Menschen in einen Dialog treten, innerhalb der eigenen Partei und mit den potenziellen Wählern? Ja, man kann und man muss dies tun. Hat das auch Risiken? Ja, es hat das Risiko, dass die Menschen klüger, mündiger und unvorhersehbarer und die Politiker klüger und weiser werden. Es hat die Chance, die alte Definition von Macht zu überwinden, die der Politikwissenschaftler Karl W. Deutsch einmal gegeben hat: "Macht ist das Privileg, nicht lernen zu müssen". Ohne vergleichen zu wollen: in der DDR wurde dieses Privileg zur Meisterschaft gebracht.

Was setzt das voraus?

Unbedingte Voraussetzung ist eine Reflexion über das Verständnis von Macht und Führung in der jeweiligen Partei, Bereitschaft und Mut, sich auf Ungewisses einzulassen, ein Mut, der eigentlich in den Parteien nicht fehlt, wir denken nur an die Einberufung vorzeitiger Neuwahlen durch die Rot-Grüne Regierung, die gewiss eine Reise ins Ungewisse war.

Wie geht es?

Sowohl Vor-Ort (moderierte Klein- und Großgruppenveranstaltungen) als auch durch das Internet (Open-Space-Online, Liquid Democracy) stehen Verfahren zur Verfügung, die es einer Vielzahl von Menschen erlauben, sich an Prozessen der Willensbildung zu beteiligen. Auch das Fernsehen bietet in Verbindung mit geeigneten Rückkanälen Beteiligungsmöglichkeiten, die heute eher von der Unterhaltungsindustrie genutzt werden (siehe DSDS). Es geht nicht vorrangig darum, dass Spitzenkandidaten auf Rundreisen in der Partei gehen oder Parteimitglieder an Wahlständen die Menschen ansprechen, es geht darum, einen Prozess des wechselweisen Zuhörens zu gestalten.

Diese Verfahren sind seit vielen Jahren bekannt und erprobt. Prominente Beispiele gibt es in den USA (http://www.californiaspeaks.org/), wir selbst haben u.a. für einen Direktkandidaten eine Wahlveranstaltung gestaltet, das Urteil der Teilnehmer war ermutigend: demokratisch, aktiv, vitalisierend, selbstbestimmt, bürgernah.

 

 

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Geschrieben von: Peter Otto   
Mittwoch, 30. Juli 2008 um 19:07

Wird es bald ganz viele Pseudo-Obamas geben?

30. Juli 2008

Da sind manche neidisch geworden. Ein amerikanischer Senator, der vielleicht der nächste Präsident der USA werden wird, kommt für eine halbe Stunde an die Siegessäule und über 200.000 Menschen machen sich die Mühe hinzugehen und einer englischen Rede zuzuhören. Woran liegt das nur und was können wir uns davon „abschneiden“ fragen sich manche unserer Politiker – und kommen zu zumeist bedrohlichen Erkenntnissen:

 

„Charisma und Führung“ seien es, sagt Edmund Stoiber – Wir sehen, wie in den Führungsetagen der Parteien nach potenziell charismatischen Führungspersonen gesucht wird – Führen wohin? Wozu? Warum? - Wieso solche Fragen?? Die Rhetorik Obamas sei es, sprach ein anderer in ein Mikrofon, die stete Wiederholung von Kernsätzen wie „People of the world, look at Berlin!“ - und das stete „Yes we can“ - das sei es gewesen. Ein leibhaftiger Generalsekretär einer grossen Volkspartei war im Fernsehen bei dem Versuch zu bewundern, einen Parteitag zum kollektiven „Yes we can“ - Skandieren zu animieren – es war kläglich - gottseidank! Wir fürchten uns vor weiteren derartigen Versuchen der Gehirnwäsche und vor künftigen rhetorisch geschliffenen Reden angehender oder nominierter Kanzlerkandidaten und -innen. Andere machen sich über die Besucher lustig, nicht so bissig wie McCain („kriecherische Deutsche“) aber sie machen's nicht besser: Im Tagesspiegel diagnostiziert der Karikaturist Klaus Stuttmann einen Errettungswunsch der Besucher: „Obama Dich Unser“ - in einer anderen Variante derselben Karikatur ist noch ein krückenschwenkender Herr mit Lourdes-Syndrom zu sehen: „Ich kann wieder gehen“. In der TAZ sieht der Kommentator eine „Eventkultur“ am Werke, die sich nach einem „flüchtigen, großen Wir-Gefühl“ sehnt.

 

Spannender waren Äußerungen von Teilnehmern in Reporter-Mikrofone: „Was wir bisher von ihm gelesen haben, hat uns gefallen, wir wollen jetzt sehen, ob das wirklich zu ihm passt“ - „Er ermutigt uns, sich wieder mit Politik zu befassen und uns einzumischen“. Solche Sätze machen Hoffnung – uns. Vielleicht sollten Politiker die Menschen erst fragen, warum sie da hingehen, bevor sie spekulieren. Aber das wäre ja langweilig und würde nicht so nette Einblicke in manche Denkstrukturen geben.

 

Etwas gemerkt hat die Kanzlerin: Was sie an Obama beeindruckt habe und wovon man lernen könne, sei neben dem visionären Anspruch die „Grassroot“ - Verankerung, das sei zwar beides nicht direkt übertragbar, aber spannend. Wir nehmen sie als Rederin ehrenhalber auf. Schon, weil sie etwas Neues nicht gut oder schlecht, sondern einfach nur spannend finden kann.

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